Presseschau vom 07.03.2008 zur Debatte in der SPD
Thema der Presseschau:
SPD: Parteirechte will weiter Holding-Modell
Der SPD-Parteirat wollte am 3. März eigentlich auch über die Bahnprivatisierung beraten und die verschiedenen Modelle diskutieren. Dazu kam es nicht, da Parteichef Beck selbst den Stand der Dinge vorstellen wollte, jedoch erkrankt war. Nun verzögert sich die Debatte in der SPD voraussichtlich bis April oder Mai, wie das Neue Deutschland meldete. Dass es der Sache nicht förderlich ist, dass es bislang immer noch keine genaueren Informationen über das von den Ministern Tiefensee und Steinbrück ausgetüftelte Holding-Modell gibt, illustriert der Stern Online anhand eines Meinungsbildes der SPD-internen Privatisierungsgegner. Partei-Linke wie Hermann Scheer kritisieren weiter offen das Holding-Modell, lade es doch geradezu dazu ein, den Konzern zu zerschlagen und Privaten den Einfluss aufs Bahngeschäft zu ermöglichen.
Um die Partei-Linke zu „besänftigen“, habe Peer Steinbrück nun zusammen mit Franz-Walter Steinmeier und anderen SPD-Spitzenpolitikern ein neues Modell zur Bahnprivatisierung entwickelt. Das berichtete die Süddeutsche Zeitung. Das „neue“ Modell ist derweil so neu nicht. Weiterhin solle die Bahn über eine Holding aufgespalten werden, und nur an der Verkehr- und Logistik-Tochter könnten sich private Investoren beteiligen. Verkauft werden sollen Anteile laut Bericht der Süddeutschen jedoch nur an so genannte „gute Investoren“, die nicht nur reine Finanzinteressen, sondern strategische Ziele verfolgen. Theoretisch sei es auch möglich, sämtliche Anteile als vinkulierte Namensaktien, also den so genannten „Volksaktien“, anzubieten. Dies entspräche wenigstens in Grundzügen dem Beschluss des SPD-Parteitages vom Oktober vergangenen Jahres, lässt aber viele andere Möglichkeiten offen, die die Parteilinke ablehnen. Auch das Bündnis Bahn für alle kritisierte das neue Modell, da es die Bahn nicht vor dem Einfluss Privater sichere. Der Wissenschaftliche Beirat des Netzwerks Attac hatte bereits Ende Februar in einer Erklärung gefordert, die Debatte um die Privatisierung der Bahn im Parlament zu führen und nicht verdeckt Fakten zu schaffen, wie es Steinbrück und seine Mitstreiter derzeit tun.
Steinbrück und Steinmeier wollen Parteichef Beck ihre Pläne direkt nach dessen Genesung vorlegen – und sie erwarten Becks Zustimmung. „Loyalität ist keine Einbahnstraße“, zitiert die Süddeutsche Zeitung Mitglieder der Parteirechten, die in den jüngsten Debatten, etwa um die Öffnung der SPD zur Linkspartei, ihrem Vorsitzenden den Rücken gestärkt hätten. Nun erwarteten die Parteirechten um Steinbrück und Steinmeier im Gegenzug von Beck Entgegenkommen in Sachen Bahnprivatisierung. Den SPD-internen Flügelkampf und Steinbrücks Rolle analysierte bereits am 1. März ebenfalls die Süddeutsche Zeitung.
Erklärung des Wissenschaftlichen Beirats von Attac am 29.02.2008: Stoppt den Bahn-Putsch der Viererbande Mehdorn-Steinbrück-Tiefensee-Kauder!
Süddeutsche Zeitung am 01.03.2008: Das Gesicht im Spiegel
Tagesspiegel am 01.03.2008: SPD vertagt Beschluss zum Bahn-Börsengang
Neues Deutschland vom 03.03.2008: Ohne Beck kein Bahn-Beschluss
Stern Online am 03.03.2008: Die SPD und die Bahnprivatisierung: Geisterfahrt beim Bahn-Börsengang
Süddeutsche Zeitung vom 06.03.2008: Steinbrück will Bahn-Reform retten und der Kommentar Börsengang der Bahn: Rette sich, wer kann
Pressemitteilung des Bündnisses Bahn für alle am 07.03.2008: Neues Steinbrück-Modell verhindert keinen Einfluss Privater auf Bahn










