Presseschau vom 14.09.2007
Presseschau vom 14.09.2007
Themen der Preseschau: * Regierung legt Gesetzetwurf vor * Gewerkschaftstag der GDBA * Milliarden-Risiken für den Bund * Länder-Widerstand gegen Privatisierung * Widerstand der Verkehrsverbünde * Bürger gegen die Börsenbahn: Flash-Mobs am 8. September * Die Volksaktie – die Debattenlage * Kommentare rund um die Privatisierungsdebatte *
Regierung legt Gesetzetwurf vor
Nun ist es amtlich: Am 14. September hat sie Bundesregierung den Gesetzentwurf zur Teilprivatisierung der Bahn vorgelegt. Voraussichtlich Ende nächster Woche soll das Gesetz dann in erster Lesung in den Bundestag eingebracht werden, die zweite und dritte Lesung aber erst nach dem SPD-Parteitag stattfinden. Schon am Tag zuvor hatte Verkehrsminister Tiefensee in der Haushaltsdebatte im Bundestag für sein Privatisierungsmodell geworben.
Der Tagesspiegel vom 14.09.2007: Jetzt geht es los
newstix vom 14.09.2007: Bundestag: Gesetzentwurf zur Teilprivatisierung der Deutschen Bahn AG vorgelegt
net tribune vom 13.09.2007: Tiefensee wirbt für sein Bahn-Privatisierungskonzept
Gewerkschaftstag der GDBA
Auf dem Gewerkschaftstag der GDBA verteidigte Wolfgang Tiefensee seinen Privatisierungsgesetzentwurf. Hartmut Mehdorn betonte die Bedeutung der Privatisierung für die zukunft der Schiene ebenso wie das Primat der Wirtschaftlichkeit. GDBA-Chef Hommel wünscht sich eine „rasche Entscheidung“ über die Privatisierung, bei der der Bund weiterhin die Mehrheit behalten müsse, berichtet die ZEIT.
Die ZEIT vom 10.09.2007: Börsengang: Tiefensee verteidigt Bahn-Privatisierung
Wirtschaftswoche vom 10.09.2007: Tiefensee verteidigt Privatisierung der Bahn
Rheinische Post vom 10.09.2007: Keine Konzern-Zerschlagung – Tiefensee verteidigt Teilprivatisierung der Bahn
Milliarden-Risiken für den Bund
Anfang der Woche häuften sich Meldungen über das millirdenschwere Risiko, das der Bund trüge, würde die Bahn nach dem Tiefenseeschen Modell teilprivatisiert. Zentraler Kritikpunkt ist dabei die Summe, die der Bund dan die Bahn zahlen müsste, falls das Schienennetz nach 15 Jahren nicht weiter von der Bahn bewirtschaftet werden sollte.
n-tv vom 10.09.2007: Bahn-Privatisierung – Risiko für den Bund
Tagesspiegel vom 10.09.2007: 7,5 Milliarden Euro für die Schienen
Spiegel Online vom 09.09.2007: Ministerium räumt Milliardenrisiko für Bund ein
Frankfurter Rundschau vom 09.09.2007: Risiko Bahn-Privatisierung – Rücknahme der Gleise würde Milliarden kosten
Länder-Widerstand gegen Privatisierung
In den Ländern formiert sich immer stärkerer Widerstand gegen die Bahn-Privatisierung. Es ist anzunehmen, dass der Bundesrat, der am 12. Oktober über das Gesetz beraten will, den Entwurf ablehnt. Hessens Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU) lehnt zwar das Volksaktienmodell einiger Sozialdemokraten inhaltlich ab („Wir wollen keinen volkseigenen Betrieb Deutsche Bahn“), freut sich aber über diesen „Winkelzug“, der, wenn beschlossen, eine Privatisierung nach Tiefensees und Mehdorns Vorstellungen verhindern. Auch im Brandenburgischen Landtag ist die Kritik am Gesetzentwurf fraktionsübergreifend. Ebenfalls Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) sieht derzeit keine Mehrheit für eine Zustimmung zum Gesetzentwurf. Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) und die tageszeitung beobachten argwöhnisch die „Ländertour“ von Tiefensee, der den Ministerpräsidenten bei der Finanzierung von Großprojekten (Stuttgart 21, Transrapid München) unter die Arme greift – will sich Tiefensee die Zustimmung der Länder dadurch einfach erkaufen?
die tageszeitung vom 14.09.2007: Private Bahn wird ein teurer Spaß
Süddeutsche Zeitung vom 14.09.2007: Die Mission des Thilo S.
Financial Times Deutschland vom 14.09.2007: Thilo Sarrazin - Kein Gegner zu groß
Logistik Online am 14.09.2007: Daehre sieht keine Mehrheit in Ländern für Bahn-Teilprivatisierung
Die ZEIT online am 13.09.2007: Börsengang: Brandenburg und Hessen gegen Privatisierung des Bahn-Netzes
AP auf Live-PR am 13.09.2007: Brandenburg fordert Änderungen bei Bahn-Privatisierung
die tageszeitung vom 10.09.2007: Bundesländer ziehen Notbremse
Financial Times Deutschland vom 11.09.2007: Hessen lehnt Bahn-Volksaktie ab
Widerstand der Verkehrsverbünde
Am 13. September fand in Berlin das Zukunftsforum der Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr statt und geriet zu einer zünftigen Kritikrunde an den Privatisierungsplänen der Bahn. Besonders stört die Verkehrsverbünde, dass die Bahn als integrierter Konzern privatisiert werden soll. So könne die Bahn weiter Monopolpreise für die Trassennutzung festlegen, kritisierte Bernhard Wewers, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft. Daraus könnten auch steigende Fahrpreise resultieren. Außerdem befürchte er geringere Investitionen und Stilllegung von Regionalstrecken, berichtet die Financial Times Deutschland. Schon mehrfach hatte gerade der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) auf das marode Schienennetz in der Region hingewiesen.
Financial Times Deutschland vom 14.09.2007: Viele Bahnstrecken in Gefahr
Tagesspiegel vom 14.09.2007: Verkehrsverbund: Nur Nachteile für Fahrgäste
Junge Welt vom 14.09.2007: Gegenwind für Tiefensee
Märkische Allgemeine vom 14.09.2007: Verkehrsverbund sieht jeden sechsten Zug bedroht – Franz: Geplanter Börsengang der Bahn bringt nur Nachteile im Nahverkehr
Pressemitteilung des VBB vom 13.09.2007: Geplante Teilprivatisierung der Deutschen Bahn AG führt langfristig zu weiterer Schrumpfung des Netzes und zu höheren Kosten für die Länder
Eisenbahn-Webkatalog vom 13.09.2007: BAG-SPNV: Börsengang der Bahn macht Nahverkehr teurer
Märkische Allgemeine vom 10.09.2007: Zug muss 18 Mal bremsen – Verkehrsverbund verschärft Kritik am Zustand des regionalen Netzes
Bürger gegen die Börsenbahn: Flash-Mobs am 8. September
Am 8. September fanden an über 50 Bahnhöfen bundesweit Flash-Mobs statt. Die Demonstrierenden hielten pünktlich zur symbolischen Zeit 11:55 Schilder hoch, auf denen sie sich gegen die Verschleuderung der Bahn zu Billigstpreisen wandten. Danke an Hannah, die uns einen tollen Presespiegel zu dieser Aktion geschickt hat:
Taz (Berlinausgabe) vom 10. September: "Krach und kreative zahlenspiele: Protest gegen die Privatisierung der Bahn"
Junge Welt vom 10. September: "Bahnhöfe beschallt"
WAZ vom 10. September: "Der Lärm, der aus dem Nichts kam"
Tagesspiegel (online) vom 9. September: "Zwei Symbole wurden gefeiert"
Aachener Nachrichten (online) vom 9. September: "Schriller Protest gegen Bahn-Privatisierung"
Reutlinger Generalanzeiger vom 10. September: "Pfeifen auf die Privatisierung"
Tübinger Ausgabe des Reutlinger Generalanzeigers vom 10. September: "Zwei Minuten Protest-Lärm"
Gießener Anzeiger vom 10. September: "'Nichts machen hilft aber erst recht nichts'"
Rhein-Main.net am 8. September: "Proteste in rund 50 Bahnhöfen gegen Bahnprivatisierung"
Verkehrsrundschau (online) am 10. September: "Bundesweiter Protest gegen Bahnprivatisierung"
Manager-Magazin (online) am 8. September: "Der Zwei-Minuten-Protest"
Capital (online) am 8. September: "Mit Trommeln und Dudelsack gegen Teilprivatisierung der Bahn"
Neues Deutschland am 10. September: ["Bahn für alle"]
Live PR (online) am 09. September: "Mit Lärm gegen Bahn-Privatisierung"
Net-Tribune am 8. September: "'Bahn-fuer-alle' lärmt gegen die Privatisierung"
EpochTimes online am 8. September: "Mit Lärm gegen Bahnprivatisierung"
Leipzig-Seiten (online) am 8. September "Trillerpfeifen gegen Privatisierung"
Nordhessische Neue Zeitung (online) am 8. September: "Aktion: Fünf Minuten gegen die Bahnprivatisierung"
Tagespunkt (online) am 9. September: "Bundesweite Protestaktion gegen Bahnprivatisierung" (PM)
Indymedia am 8. September: "Bundesweit Flashmob gegen Bahnprivatisierung"
podster (online) am 9. September: "Flash-Mob zur Bahnprivatisierung" – Audiobeitrag
indymedia am 9. September: "183=13? Hamburger Flash Mob" - LINK ZU VIDEOCLIP vom Hamburger Flash-Mob
Die Volksaktie – die Debattenlage
Innerhalb der SPD nimmt der Widerstand gegen die Bahnprivatisierung weiter zu. Das zeigte sich auch, wie die Frankfurter Rundschau berichtete, in einer Diskussion der SPD-Bundestagsfraktion mit Bahn-Vorstandsmitglied Otto Wiesheu, der das von linken SPDlern vorgeschlagene Volksaktienmodell ablehnt. Dies ist auch die offizielle Position der Bahn, die vor allem deshalb nichts von der Volksaktie zu halten vorgibt, da die 5% angenommene Renditeerwartung der stimmlosen Kleinaktionäre die Bahn unter einen enormen Rentabilitätsdruck setzen würden. Unions-Fraktionsvize Hans-Peter Friedrich signalisierte gegenüber der Financial Times bereits Zustimmung hinsichtlich des Volksaktienmodells, das sich mit bisherigen Kabinettsbeschlüssen kombinieren lasse. Hessens Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU) lehnt das Volksaktienmodell hingegen strikt ab und verweist auf das Problem des trotz „Volksaktie“ immer noch integrierten Börsengangs, berichtet die Frankfurter Rundschau.
Tagesspiegel vom 14.09.2007: "VEB? Nein danke!"
Die ZEIT Online vom 13.09.2007: Privatisierung des Schienennetzes: Bahn will keine "Volksaktien"
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13.09.2007: Bahn gegen Volksaktien-Modell
Die Welt vom 13.09.2007: Bahn warnt vor Volksaktien-Modell der SPD
net tribune vom 13.09.2007: Bahn-Finanzvorstand gegen Vorzugsaktie
Märkische Allgemeine vom 13.09.2007: Ein bisschen Deutsche Bahn auf der hohen Kante: Einige SPD-Abgeordnete möchten den Konzern zur Volksaktie machen / Widerstand gegen die Privatisierung wächst
Frankfurter Rundschau vom 11.09.2007: CDU streitet über Bahn-Volksaktie
Frankfurter Rundschau vom 12.09.2007: Umstrittene Bahnprivatisierung
Financial Times Deutschland vom 10.09.2007: CDU/CSU signalisiert Zustimmung für Bahn-Volksaktie
Reuters vom 10.09.2007: Union signalisiert Kompromissbereitschaft bei Bahn-Volksaktie
Kommentare rund um die Privatisierungsdebatte
In der taz schreibt Ulrike Herrmann, weshalb die Bahn nie eine Volksaktie werden wird, dass diese Idee der Linken nur ein „Hilfskonstrukt“ ist und dass dieser Vorschlag die eigentlich zu führende Debatte verhindere: ob die Bahn überhaupt privatisiert werden soll. – „Die Bahn zu privatisieren, ist falsch. Egal ob mit oder ohne Schienen“, äußert sich Alexander Gauland im Berliner Tagesspiegel. Er stellt in Frage, ob die Bahn vornehmlich „Global Player“ sein soll oder doch eher einen Versorgungsauftrag in Deutschland wahrzunehmen habe. Schließlich sei „die Aufrechterhaltung einer öffentlichen Grundversorgung [...] eine staatliche Aufgabe und zudem Ausdruck eines funktionierenden Gemeinwesens." – In der Jungle World schließlich macht sich Richard Rabensaat ebenfalls Gedanken zur Rolle der Deutschen Bahn: global tätiges Logistikunternehmen oder Mobilitätsdienstleister in Deutschand?
Jungle World vom 13.09.2007: Mehdorns Global Player
Tagesspiegel vom 10.09.2007: Mit der Bahncard nach Ontario
die tageszeitung vom 08.09.2007: Die Bahn wird keine "Volksaktie"










