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Angst vor Mehdorn: Zuckerbrot und Peitsche

28.2.2008. Arno Luik sucht im Stern-Artikel "Mehdorns letzte Fahrt" vom 28. Februar 2008 Antworten auf seine eigene Frage: "Wie, verdammt noch mal, schafft es Mehdorn, dass die einflussreichsten Politer in diesem Land seine Börsenpläne unterstützen? Obwohl sie draufzahlen, ständig und weiter zahlen werden."

Wie kaum ein anderer Firmenchef in Deutschland hat er [Mehdorn] Macht auf sich konzentriert. Inzwischen sitzen im Aufsichtsrat der Bahn viele seiner Vertrauten, Freunde und Bekannte, manche aus der Politik, einige aus der Luft, andere aus der Druckbranche sind m Vorstand. "Mehdorns Messdiener" nennt man si ein der Bahnzentrale.

Er hat die Politik vereinnahmt, fast alle folgen ihm willenlos.

Die Bahn, so sieht es aus, hat über die Politik gesiegt.

Peitsche

Man trifft Abgeordnete aus der Regierungskoalition, die ihren Namen nicht gedruckt sehen wollen - die Bahn ist ihnen unheimlich.

"Es gibt so gut wie keinen Abgeordneten des Verkehrsausschusses, der nicht von Mehdorn angepflaumt, angemacht, eingeschüchtert worden ist", sagt der Grünen-MdB Winfried Hermann.

Von "Kampfaktionen gegen Mitglieder des Verkehrsausschusses" spricht Horst Friedrich (FDP) ... Er erzählt, wie die Bahn Erkundigungen über Verkehrspolitiker hae einziehen und Dossiers über Sachverständige habe anlegen lassen.

Und noch etwas regt viele Abgeordnete auf: Sie fürchten, dass Mehdorns Truppen das Holdingmodell überfallartig an Bundestag und Bundesrat vorbeimanövrieren.

"Ich würde Sie ja gerne hauen", sagte er [Mehdorn] zu Stern-Autor Arno Luik. "Aber Schläge bringen nichts, Sie bleiben ja doch bei Ihrer Meinung."

Zuckerbrot

Er umgarnt jene, die wichtig beim Strippenziehen sind, ihnen hilft er, wo es geht.

"Frank, der schon im Kanleramt sehr hilfreich war" .... Nach dem Rundgang umarmen sich Steinmeier und Mehdorn, zwei Männer, die sich verstehen, und SPD-Chef Beck hat einen Gegenspieler mehr.

Um das Volksaktienbeschluss seiner Partei auszuhebeln, präsentierte Finanzminister Peer Steinbrück Anfang November das "Holdingmodell". Warum er das getan hat? Dazu sagt er nichts.

Mehdorn malte Untergangsszenarien, verbreitete Panik unter Politikern. Und versprach gleichzeitig Rettung.

So macht er das also, so verführt er die Politiker, so kriegt er es hin, dass seine Chefs, also der Verkehrsminister, letztlich auch die Kanzlerin, vor ihm kapitulieren, kuschen und sagen: Lasst den Mehdorn machen.

Rückblick und Bilanz

Kaum war Mehdorn weg, platzte der schöne Traum, die Mehdornschen Visionen fraßen die Erträge auf. Heidelberger Druck [die Mehdorn einst leitete] kämpfte ums Überleben, trennte sich von Mehdorns Großmannsträumen und steht nun wieder gut da.

Ein Kaiser, der nackt ist, und keiner wagt es zu sagen? "Ja", sagt Friedrich [FDP-Bundestagsabgeordneter]: "Jeder hat Angst, als dumm dazustehen, wenn er Mehdorn hinterfragt."

Sind die Berliner Politiker, die Regierungsparteien, nur Statisten in seinem Spiel?

Die Reihenfolge der Zitate entspricht nicht immer der Reihenfolge im Stern-Artikel.

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