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So schön könnte das Bahnfahren am Bahnhof beginnen

29.1.2007. Die Deutsche Bahn AG hat mit Wirkung zum 1. Januar 490 Bahnhofsgebäude an ein privates Konsortium verkauft. Die DB hatte behauptet, alle Gebäude seien zuvor den Kommunen angeboten worden. Doch Bürgermeister widersprechen: Sie wissen von keinem Angebot, haben zum Teil über Jahre versucht, einen Kontakt herzustellen, konnten nie eine Preisvorstellung der Bahn erfahren und so weiter, und so weiter. Während kaufwillige Städte und Gemeinden ein Konzept für die Bahnhöfe hatten, hat der Käufer keines. Dabei könnten Bahnhöfe so schön sein...

Bahnhöfe könnten gerade in kleinen Orten Logistikzentren des Alltags sein. Keine Post im Ort? Kein Bäcker? Pakete müssen sonstwo abgeholt werden? Der Sparkassenautomat steht eher abseits und Überweisungen nimmt er auch nicht an? Durch den Bahnhof kommen täglich viele Pendler - dort könnten diese Dienstleistungen gebündelt werden und plötzlich ist der Betrieb wirtschaftlich. Und mehr Leute fahren Bahn.

Noch mehr Dienstleistungen für Pendler am Bahnhof: Die Apotheke deponiert die bestellten Medikamente dort. Der Lieferservice vom Supermarkt bringt den Einkauf kostenlos zum Heimatbahnhof, für einen Aufpreis auch bis zur Haustür. Büchereibücher können am Bahnhof abgeholt und abgegeben werden.

Der Regionalzug hat Verspätung und die Umsteigezeit zum Bus ist knapp? Kein Problem mehr, weil die Frau vom Bahnhof schnell zur Haltestelle läuft und der Busfahrerin mitteilt, wie viele Minuten der Zug zu spät kommt. Und ist der Bus doch weg, schützt der Bahnhof vor Regen und Wind.

Beratung statt Maschine - ein Mensch, der durch das Tarifwirrwarr führt und wirklich die passende Fahrkarte findet. Der den Telefonhörer abnimmt und die Fahrkarte vorbereitet. Der einen Tipp zur bequemen Reise parat hat. Und der Menschen hilft, die Bahn für sich zu entdecken und vom Auto umzusteigen.

"Früher oder später stehen die meisten Empfangsgebäude der Thüringer Bahnhöfe zum Verkauf. Gibt es keinen Fahrdienstleiter mehr, werden die Gebäude für den betrieblichen Ablauf nicht mehr benötigt", sagt Daniela Bals, Sprecherin der Bahn für Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Das klingt ganz anders als: "Wohlfühlbahnhöfe sind unser Ziel!" Das schreibt die zuständige DB Station&Service AG auf ihrer Homepage, und: "Die Bahnhöfe sind das Tor zur Bahn und zugleich die Visitenkarte der Städte und Regionen. Mit ihrem Erscheinungs- und Leistungsbild tragen sie maßgeblich zur Kundenzufriedenheit bei und bestimmen die Attraktivität der Bahn mit."

Beide Aussagen ließen sich vereinen, wenn die DB AG Partner sucht, mit denen sie Bahnhöfen zu neuen Leben verlässt. Stattdessen verkauft sie an ein Konsortium, das keine Ideen hat. Sprecher der Procom Invest GmbH & Co. KG oder der von ihr beauftragen Dortmunder RGM Gebäudemanagement GmbH sagen zu ihrem Nutzungskonzept Sätze wie: "Wir prüfen gerade, wofür sich die Gebäude eignen." "Das kann ich nicht sagen. Irgendwann nehmen wir dazu mal Stellung." Eine Auskunft über die Zukunft der Immobilien werde es "zu gegebener Zeit" geben.

Bürgermeister haben auf ihre Kaufanfragen hin über Jahre von der DB keine Antwort erhalten, geschweige denn ein konkretes Angebot. Oder die Angebote sind bereits Jahre her. Um so überraschter waren sie, als ihnen um Weihnachten dann ein Schreiben der DB ins Rathaus flatterte: Man wolle darüber informieren, dass die Bahn "bundesweit 490 nicht mehr betriebsnotwendige Empfangsgebäude im Paket veräußert hat". Zu diesem Paket gehöre auch das Gebäude des Bahnhof dieser Gemeinde.

Für die Käufer stünde das "Halten und Entwickeln" der Gebäude im Vordergrund, nicht der rein renditeorientierte Weiterverkauf. Deshalb habe sich der Käufer zu "umfangreichen Investitionen" verpflichtet. Doch Bürgermeister können rechnen und kommen darauf, dass der Käufer pro Bahnhof im Schnitt nur 30.000 Euro investieren muss. Innerhalb von fünf Jahren.

Zwischendurch rutscht es einem Bahnsprecher dann mal raus: Die Bahn habe nach einem Käufer für ein Paket Auschau gehalten. Die Gemeinden hätten zu wenig Geld geboten. Die Bahn wolle den Instandhaltungsrückstand und die Verkehrssicherungspflicht loswerden.

Übrigens: Vor einigen Jahren gab es noch an 3.000 der 5.400 Bahnhöfe bahneigene Gebäude. Bahnhofsgebäude. Und die könnten so schön sein...

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