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Krumme Halbjahreszahlen der DB AG

27.8.2007 Genau zur aktuellen Debatte um das Privatisierungsgesetz hat die Deutsche Bahn AG ihren Halbjahresbericht mit Gewinnzahlen vorgelegt. Doch der Hochglanz-Schein trügt. Die Bilanz ist keine Bilanz im Interesse der Allgemeinheit und sie verschweigt Wahrheiten. Gute Bahnpolitik heißt, keine Gewinne im Sinn von Rendite zu erzielen, sondern so effizient zu fahren, dass im Interesse der Fahrgäste und der Allgemeinheit investiert werden kann.

Die Deutsche Bahn AG und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten gute Arbeit im Bahnverkehr. Bahnverkehr ist der Verkehr der Zukunft und garantiert Mobilität für alle, unabhängig vom Besitz eines Autos. Doch das Management der Deutschen Bahn AG konzentriert sich zunehmend auf ganz andere Geschäftsfelder und auf eine Gewinnorientierung, die die Bahn als öffentliches Unternehmen gar nicht braucht.

Mit ihrem Halbjahresbericht will das Management wirtschaftlichen Erfolg zeigen. Doch betriebswirtschaftlich ist die Bahn-Bilanz des Bundes eigentlich negativ: Milliarden Euro Zuschüssen stehen Millionen Euro Gewinn gegenüber. Gewinne macht die Deutsche Bahn AG, weil der Staat sinnvollerweise das Verkehrssystem finanziert. Echte Verluste fahren Straßen- und Luftverkehr ein, die schon heute massig Geld kosten und das Klima von morgen ruinieren.

Die Bahn muss der öffentlichen Hand kein Geld einbringen, sie soll ihr Geld wert sein, damit sie mit mehr Verkehr auf der Schiene das Klima schützt und damit Jugendliche, Senioren, Behinderte und Menschen ohne Auto nicht von der Mobilität ausgeschlossen werden.

In ihrem Halbjahresbericht weist die DB AG eine Bilanzsumme von weniger als 50 Milliarden Euro aus. Tatsächlich besitzt sie ein Anlagevermögen von mehr als 180 Milliarden Euro, wie das Bundesverkehrsministerium in seiner Statistik "Verkehr in Zahlen" ausweist. Eine geringere Bilanzsumme hat zwei Effekte: Erstens wird der betriebswirtschaftliche Konzerngewinn erhöht, wenn die DB AG Neubaustrecken und anderes Anlagevermögen nicht in der Bilanz führt und darauf keine Abschreibungen vornimmt. Zweitens würden die Gewinne auf das wirkliche Anlagevermögen gerechnet eine Kapitalrendite von nur etwa einem Prozent ergeben. Bezogen auf das von der DB AG angegebene Vermögen steigt die Rendite schon auf mehr als vier Prozent. Da große Kapitalanleger aber mehr als zehn Prozent Rendite fordern, rechnen Experten nur mit etwa sechs Milliarden Euro Erlös für die Hälfte der DB-Anteile. Fast 90 Milliarden Euro Vermögen würde der Bund verschenken und gleichzeitig seinen Einfluss auf den Schienenverkehr in Deutschland aufgeben.

Mehr zu den Gewinnen der DB AG: Einen großen Teil ihres Gewinns macht die Deutsche Bahn AG im Nahverkehr, der zu zwei Dritteln von der öffentlichen Hand finanziert wird. Mit dem Gewinn könnte mehr, besserer und preiswerterer Nahverkehr angeboten werden, statt Unternehmenszukäufe in der ganzen Welt zu finanzieren.

Künftige Aktionärsgewinne werden also mit Steuergeldern produziert.

Gute Bahnpolitik heißt, keine Gewinne im Sinn von Rendite zu erzielen, sondern so effizient zu fahren, dass im Interesse der Fahrgäste und der Allgemeinheit investiert werden kann. Die staatliche Reichsbahn erzielte bis 1929 Gewinne. Die staatliche Bundesbahn bis Anfang der 50-er Jahre ebenso, bevor der Autoverkehr staatlich so massiv gefördert wrude. Die staatliche Bundesbahn erzielte trotzdem noch Ende der 80-er Jahre Gewinne, wenn die Zinsen für aufgelaufene Schulden herausgerechnet werden.

Bahnverkehr kann vielfach profitabel sein – für die Fahrgäste, für die Umwelt, für die Gesellschaft und sogar für die Staatskasse!

Der Privatisierungskurs der DB AG der vergangenen Jahre und die Fixierung auf betriebswirtschaftliche Rendite hat bereits einiges gekostet.

Zwischen 1994 und 2004 sind 5.000 Kilometer Strecke stillgelegt und zahlreiche Weichen ausgebaut worden. Allein in den letzten zehn Jahren sind 400 Bahnhöfe geschlossen worden. Das durchschnittliche Alter von Gleisen und Bahnsteigen ist gestiegen. 180.000 Stellen wurden seit 1994 im Schienenverkehr abgebaut, das Tarifentgelt abgesenkt und die Arbeitszeit verlängert.

Mit der Bahnreform von 1994 wurden der Bahn 34 Milliarden Euro Schulden abgenommen. Durch Mehdorns Unternehmenseinkäufe im Ausland steht die Bahn jetzt wieder mit fast 20 Milliarden Euro in den roten Zahlen.

Kennzahlen zum Halbjahr

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