bündnis bahn für alle

Presseschau zu Hansens Wechsel ins Bahn-Management

Am 7. Mai platzte eine nachrichtentechnische Bombe: Transnet-Chef Norbert Hansen soll in den Vorstand der Bahn wechseln, dort Arbeitsdirektor werden. Das hatte das Bündnis Bahn für Alle erfahren und umgehend publik gemacht.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung griff die Meldung als erste auf und hakte nach: Offenbar bestand die SPD darauf, im nach dem Holding-Modell neu strukturierten Bahn-Konzern die Besetzung des Postens des Arbeitsdirektors von der Zustimmung der Gewerkschaften abhängig zu machen. Bislang ist Margret Suckale im Bahnvorstand für Personal zuständig. Unklar war am vergangenen Donnerstag noch, ob sie das auch in Zukunft allein für alle Bahngesellschaften, Netz und Betrieb, bleiben soll. Norbert Hansen, mutmaßt die FAZ, könnte die Alternative zu einem Doppelmandat Suckales sein.

Die Gewerkschaften

Auf Gewerkschaftsseite stößt die Nachricht vom Wechsel Hansens auf geteiltes Echo. Die FAZ zitiert den GDBA-Vorsitzenden Hommel, der den Wechsel prinzipiell begrüße, stehe Hansen doch für den Erhalt des integrierten Bahnkonzerns. Gleichzeitig kündigte Hommel an, bei Tarifauseinandersetzungen nicht kompromissbereiter sein zu wollen. Der ehemalige GDL-Vorsitzende Schell indes kritisierte den Wechsel Hansens gegenüber Spiegel Online massiv: „Kurios“ sei der Wechsel, insbesondere so kurz nach dem Beschluss der Teilprivatisierung. Ihm sei es darüber hinaus gleichgültig, ob ein ehemaliger Gewerkschafter oder ein Manager als Personalverantwortlicher berufen werde. Er sehe jeden Arbeitsdirektor als „verlängerten Arm“ des Vorstandschefs, also als jemanden „auf der anderen Seite“. Die Transnet-Basisinitiative „Bahn von unten“, die Hansens Politik und seine privatisierungsfreundliche Haltung schon lange kritisiert hatte, fühlt sich laut Bericht der Berliner Zeitung nun richtig verraten: Hansen habe die Gewerkschaft „als Karrieresprungbrett missbraucht und mit seinem Verhalten der Transnet und allen DGB-Gewerkschaften schweren Schaden zugefügt“. Transnet-Vertrauensleute forderten schließlich am vergangenen Freitag den Rücktritt des gesamten Transnet-Vorstandes, der den Wechsel Hansens ins Bahn-Management begrüßt hatte. Der Arbeitskreis der Vertrauensleute „halte die ‚zeitlichen und politischen Umstände der persönlichen Entscheidung von Norbert Hansen’ für ‚schädlich für die gesamte Gewerkschaftsorganisation’“, berichtet die Agentur AFP.

Die Politik

„Schamlos“ – das ist das häufigste Urteil, das Kritiker über Hansens Wechsel fällen, etwa der SPD-Linke Hermann Scheer. Dem Berliner Tagesspiegel sage er, dass die zeitliche Nähe zur Privatisierungsentscheidung „den bösen Schein“ nähre. Fritz Kuhn, Fraktionschef von Bündnis 90/Die Grünen hält es laut Tagesspiegel für „peinlich, wie der brave Privatisierungs-Hurra-Gewerkschafter nun mit einem Vorstandsposten belohnt wird. Gegenüber der tageszeitung fand der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Winfried Herrmann, noch deutlichere Worte: „Dass der einzige Gewerkschafter, der für eine Privatisierung gestreikt hätte, nun die Seiten wechselt, bestätigt alle, die Transnet schon immer für eine gekaufte Gewerkschaft gehalten haben“, empörte er sich. Die SPD selbst ist jedoch an der Personalie Hansen nicht unschuldig, im Gegenteil: SPD-Chef Kurt Beck habe gemeinsam mit dem Bahn-Aufsichtsratschef Werner Müller Hansens Berufung vorangetrieben, dessen Wechsel in den Bahn-Vorstand gar zur Bedingung in den Privatisierungsverhandlungen mit der Union gemacht, berichtet die Rheinische Post.

Norbert Hansen

In zahlreichen Kommentaren herrscht die Wahrnehmung vor, dass Hansens Wechsel nur logische Konsequenz seiner bisherigen Politik ist. Die Junge Welt gibt unter dem sprechenden Titel „Nicht einmal ein Frontenwechsel“ einen Überblick über Hansens Politik der letzten Jahre und nennt die Stationen des „Kuschelkurses“ mit Bahnchef Mehdorn, der ihm den Weg in den Bahnvorstandbereitet hat.

Norbert Hansen, der Gescholtene, bestreitet vehement, seine Politik in den letzten Monaten an persönlichen Interessen orientiert zu haben: „Seit 16 Jahren habe er im Vorstand der Bahngewerkschaft Transnet einen klaren bahnpolitischen Kurs vertreten und sei dafür von der Basis stets mit "eindeutigen Ergebnissen" bestätigt worden“, zitiert ihn die Frankfurter Rundschau.

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