bündnis bahn für alle

Presseschau vom 12.10.2007

Themen der Presseschau: * Bundesrat zum Privatisierungsgesetzentwurf * Verkehrsminister stritten weiter über Privatisierungsgesetz * Streckenstilllegungen * Investoren in den Startlöchern * Bahnprivatisierung Thema bei Anne Will * Bündnis gegen Bahnprivatisierung wächst *

Bundesrat zum Privatisierungsgesetzentwurf

Der Bundesrat hat seine Stellungnahme zum Gesetzentwurf zur Bahnprivatisierung abgegeben. Mehrheitlich lehnen die Länder das Privatisierungsgesetz in der vorliegenden Form ab. Neben Bedenken hinsichtlich des fehlenden Wettbewerbs auf der Schiene, möglicher Streckenstilllegungen und Haushaltsrisiken halten einige Ländervertreter den Gesetzentwurf für verfassungswidrig. Nun geht die Stellungnahme des Bundesrates an den Bundestag, der voraussichtlich Ende Oktober über den Gesetzentwurf abschließend beraten wird. Danach muss die Länderkammer ebenfalls dem Gesetz zustimmen, damit die Privatisierung der Bahn umgesetzt werden kann. Das Bündnis Bahn für Alle kritisiert, der Bundesrat habe die Chance vertan, die Weichen für eine andere Verkehrspolitik zu stellen – nicht in Richtung vermeintlicher Nachbesserungen, sondern grundsätzlich weg von der Privatisierung.

Verkehrsminister stritten weiter über Privatisierungsgesetz

Am 10. Oktober trafen sich erneut die Verkehrsminister der Länder, um über ihre Haltung zum Gesetzentwurf zur Bahnprivatisierung zu beraten. AFP erklärt in aller Kürze die zur Debatte stehenden Modelle. In der Magdeburger Volksstimme schreibt Winfried Borchert, dass die Länder eine neue Rolle im Gesetzgebungsverfahren für sich entdeckt hätten, und lobt die Konsequenz, mit der die Länder seiner Auffassung nach die Interessen der Kunden vertreten. Dies sei besonders der „geschickten Verhandlungsführung“ des sächsisch-anhaltinischen Verkehrsministers Daehre zu verdanken, der auch der Verkehrsministerkonferenz vorsitzt.

Streckenstilllegungen

In einer so genannten Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung zwischen dem Bund und der Bahn soll geregelt werden, wie viele Mittel der Bund der Bahn zur Erhaltung der Infrastruktur zur Verfügung stellen soll. Im Entwurf zu diesem Papier steht nun, dass unrentable Objekte und Strecken nicht instand gehalten werden müssen: gerade in ländlichen Gebieten würde das zahlreiche Bahnhofsschließungen und Streckenstilllegungen zur Folge haben, befürchten nicht nur die Verkehrsminister der Länder, wie die Financial Times Deutchland berichtet, Bund und Bahn dementieren.

Investoren in den Startlöchern

Wie ungeduldig Banker und Fondsmanager auf den Börsengang der Bahn warten, beschreibt die Süddeutsche Zeitung. Interessant zu lesen, welche Alternativpläne sich die Finanzmanager ausgedacht haben, sollte der bisherige Gesetzentwurf scheitern.

Bahnprivatisierung Thema bei Anne Will

Am vergangenen Sonntag, 7. Oktober 2007, waren die Bahnprivatisierung und der Lokführerstreik Themen bei Anne Will. Gäste der abendlichen Talkrunde waren Bahnchef Hartmut Mehdorn, Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Schauspieler Rolf Becker, Juso-Bundesvorsitzender Björn Böhning und der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer. Auf dem „Betroffenensofa“ durften zwei als Lokführer Beschäftigte ihre Sicht auf den Tarifkonflikt darstellen – der eine Kollege unterstrich als aktuell streikendes Mitglied der GDL die Notwendigkeit des Arbeitskampfes, die andere Kollegin kritisierte als Transnet-Mitglied die Forderungen der GDL. Nicht anwesend war Manfred Schell, Vorsitzender der GDL. Angeblich war er zunächst ein- und dann wieder ausgeladen worden, worüber sich zahlreiche Zuschauer im Weblog zur Sendung empörten.

Mehdorn und Teifensee gelang es kaum, mit Argumenten für die Privatisierung zu überzeugen. Rolf Becker, der sich auch in der Initiative „Bürgerbahn statt Börsenbahn“ gegen die Privatisierung engagiert, hielt fundiert gegen. Boris Palmer (B90/Grüne) empörte sich über die schon jetzt spürbaren Folgen der Renditeorientierung des Konzerns gerade im ländlichen Raum, und Björn Böhning zeigte beredt, dass die Pläne seines Parteigenossen Tiefensee in der SPD auf massiven Widerstand stoßen.

Bündnis gegen Bahnprivatisierung wächst

Am 9. Oktober haben sich der Deutsche Gewerkschaftsbund und der Dachverband der Verbraucherzentralen gemeinsam gegen die Privatisierung der Deutschen Bahn gewandt. Hauptbefürchtungen sind die Stilllegung von Strecken und der Ausverkauf öffentlichen Eigentums.

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