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"Gezinkte Karten" – Symbolische Pokerrunde gegen Kabinettsbeschluss
Berlin, 24.07.2007 – Morgens neun Uhr am Platz vor dem Bundeskanzleramt. Aus einem Auto werden ein Tisch, Stühle, eine Truhe und Pappkartons ausgeladen. Der Tisch wird sorgfältig mit einer grünen Tischdecke drapiert, ein Kartenspiel zurechtgelegt und die Stühle um den Tisch gruppiert. Die Truhe neben dem Tisch ist mit „Staatskasse“ beschriftet.
Inzwischen bevölkert sich der Platz. Fernsehteams bauen ihre Stative auf, Pressefotografen zücken ihre Kameras, Zeitungsjournalisten ihre Kugelschreiber.
Was soll hier gespielt werden? Gespielt scheint das richtiger Stichwort zu sein. Drei Prominente betreten die Scene. Es sind Angela Merkel, Wolfgang Tiefensee und Hartmut Mehdorn.
Und tatsächlich: Sie pokern und verzocken das Vermögen der Deutschen Bahn. Mehdorn gewinnt, wieder und wieder. Angela Merkel greift in die die Staatskasse neben sich und Geldbeutel für Geldbeutel türmt sich vor dem Bahnchef auf. Der wiederum gibt das dank seiner gezinkten Karten Gewonnene gleich weiter an die Investoren, die als Kiebitze hinter ihm stehen. Die Gier steht diesen ins Gesicht geschrieben. So billig haben sie noch keinen Reibach gemacht! Bis hierher wird der kluge und geneigte Leser schon gemerkt haben, das das Spiel nur ein Spiel ist. Die Dame und die Herren Prominenten sind mit den Masken ihrer Originale dargestellt.
Allerdings in dem Gebäude hinter den Zockenden wird aus dem Spiel ein für den Steuerzahler sehr unbekömmlicher Ernst. Eine Stunde später geht es über die Ticker: „Das Bundeskabinett hat die Teilprivatisierung der Bahn beschlossen.“ Die vor dem Haus Agierenden gehören zum Bündnis „Bahn für alle“, einem Zusammenschluss aus Umweltschutzverbänden, Globalisierungskritikern und Gewerkschaften. „Verzockt nicht unsere Bahn“ und „Netz und Züge gehören uns allen“ steht auf den mitgebrachten Transparenten.
Würde der heutige Beschluss vom Bundestag abgesegnet, hätte das weitreichende Folgen. Neben einem Abbau in der Fläche bedeutete das Fahrpreiserhöhungen, Lohndumping, Entlassungen und Abbau der Sicherheitsstandards. Anders kann der Renditehunger der Investoren in spe wahrscheinlich nicht befriedigt werden. Ein Anlagevermögen von über 180 Milliarden Euro würde für einen Bruchteil seines Wertes unwiederbringlich verloren sein.
Gleich nachdem das Spiel hier auf dem Platz beendet ist, biegt eine Kolonne von schwarzen Limousinen um die Ecke. Die Regierung schreitet zur Tat. Doch noch ist der Zug nicht abgefahren. Widerstand gegen die Börsenpläne formiert sich. Und für heute kann man einigen Medien mal einen Dank sagen, dafür, dass sie scheinbar beginnen im Punkt Börsengang ihrer Informationspflicht nachzukommen.
Text: Klaus Ihlau
Pressemitteilung des Bündnisses Bahn für Alle zur Protestaktion










