bündnis bahn für alle

Acht fatale Folgen von erfolgten Bahnprivatisierungen

20.09.07: Es gibt bereits Erfahrungen mit Bahnprivatisierung. Unter anderem in Japan, Großbritannien, den USA und Schweden, aber auch in Ländern Afrikas und Südamerikas wurden öffentliche Bahnen privatisiert. In all diesen Ländern zeigen sich acht ähnliche Folgen: Das einheitliche Bahnsystem wird zerschlagen, Arbeitsplätze werden abgebaut und Löhne gesenkt, Komfort und Service werden schlechter (zum Beispiel durch Bahnhofs- und Schalterschließungen), Regionalverbindungen verschwinden zu Gunsten von Hochgeschwindigkeitsstrecken zwischen Metropolen, die Zuschüsse der öffentlichen Hand ans Bahnsystem steigen, die Bahn wird widerstreitenden Interessen von Autoindustrie, Busgesellschaften und Flugverkehrslobby ausgesetzt, Bahnhöfe verlieren ihre Funktion als Portale von Stadt und Verkehr, Bahnimmobilien werden zu Spekulationsobjekten.

Diese Folgen beschreibt detailliert die eben veröffentlichte 34-seitige Studie "Mit Hochgeschwindigkeit aufs falsche Gleis – Bahnprivatisierung in Deutschland und international" von Dr. Winfried Wolf, die vom Münchner Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung und dem Bündnis "Bahn für Alle" herausgegeben wird. Wolf veröffentlicht als Publizist unter anderem zu Weltwirtschaft, Globalisierung und Verkehrspolitik.

In der Studie werden im dritten Kapitel die Privatisierungsfolgen in Schweden, Großbritannien, den USA, Japan, Österreich und Deutschland untersucht. Auch Deutschland – denn die Deutsche Bahn AG, obwohl in öffentlichem Besitz, steuert seit Jahren einen Privatisierungskurs, der genau die Auswirkungen hat, die Wolf für die anderen Länder belegt.

Deshalb widmen sich die ersten beiden Kapitel der informativen Studie der Bahn in Deutschland: Das erste Kapitel "Die Auseinandersetzung um die Bahnprivatisierung in Deutschland" gibt einen aktuellen Überblick über die Debatte und untersucht das in der SPD diskutierte Volksaktien-Modell sowie die ebenfalls vorgeschlagene Trennung von Netz und Betrieb. Warum die Schweizer Bahnen in öffentlicher Hand ein gutes Angebot bieten, das von den Bürgern angenommen wird, wird stichhaltig dargelegt und mit fünf Gründen belegt.

Das Kapitel "Verkehrspolitik in Deutschland seit der 'Wende' 1989/1990" zieht eine Bilanz der Bahnreform von 1994 und konstatiert, dass alle drei damals gesetzten Ziele verfehlt wurden. Im Fernverkehr habe die Bahn an Boden verloren, im Güterverkehr ihren Anteil kaum steigern können; der Bund zahlt heute mehr für das System Schiene als vor der Bahnreform, die DB AG hat seit 1994 fast so viele Schulden gemacht, wie zuvor die Bundesbahn in 44 Jahren; in der Kundenfreundlichkeit schneidet die DB AG bei allen Umfragen schlecht ab.

Die Bilanz belegt, dass in den vergangenen Jahren 60 Prozent der Investitionen in die Hochgeschwindigkeitsstrecken flossen, während jedoch 90 Prozent der Fahrten und 50 Prozent der Verkehrsleistung (Personenkilometer) auf Strecken bis zu 50 Kilometern anfallen, in die verhältnismäßig wenig investiert wurde.

Exkurse widmen sich den besonders fatalen Bahnprivatisierungen in Afrika und Südamerika, die dort ganze Bahnnetze zerstört haben, sowie der aktuellen Entwicklung des Schienenverkehrs in den bevölkerungsstärksten Ländern der Welt, China und Indien.

Die informative und fundierte Studie kann als Broschüre zum Preis von 3 Euro plus Versand hier gekauft werden.

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