Was können Bahnhofsgebäude zu gutem, attraktiven Bahnverkehr beitragen?
"An den meisten Straßenbahnhaltestellen steigen mehr Leute ein und aus als an solchen Haltestellen eines Zuges. Aber an den Straßenbahnhaltestellen habe ich noch nie Bahnhofsgebäude entdeckt - und keiner verlangt sie." Sagt Hartmut Mehdorn. Seine DB AG findet die "Empfangsgebäude" nicht notwendig.
Was könnten Bahnhofsgebäude zu gutem, attraktiven Bahnverkehr beitragen? "Wohlfühlbahnhöfe" hat sich die DB Station&Service AG zum Ziel gesetzt und schreibt: "Die Bahnhöfe sind das Tor zur Bahn und zugleich die Visitenkarte der Städte und Regionen. Mit ihrem Erscheinungs- und Leistungsbild tragen sie maßgeblich zur Kundenzufriedenheit bei und bestimmen die Attraktivität der Bahn mit."
Welche Idee dazu hast Du?
In einem lebendigen sozialen Raum Bahnhof könnten - je nach Grösse und Lage - siedeln - Kiosk - Reisebüro (Bahn- und Schiffsreisen) - Kleinkunstbühne - Freie Schule - Studenten-WG - Kino - Restaurant - Tanzschule, Tanzcafé - Sozialstation - Sanitärbereich mit Duschräumen, Friseur, Ruheräumen - Vereinsheim - Jazzclub - Volkshochschule - Fahrrad-Parkaus m. Selbsthilfewerkstatt - Proberäume - Mehr-Generationen WG und so die durchreisenden Pendler oder Fernreisenden eine temporäre Behausung mit wichtigen Dienstleistungen bieten.
Bahnhöfe hgehören zur DB Netztochter Station &Service. Diese ist (von Mhedorn so gewollt?) mit geringem Kapital ausgestattet und bereits mit über 1 Mrd Euro verschuldet. Bahnhöfe sind die Shcnittstellen von Bundeseigentum zu inder Regel kommunaler Fläche und städtebaulich häufig bedeutsam. Dieser Zuständigkeitsknoten verhindert sachgerechte gemeinsame Löungen von Visitenkarte der Städte, Aufenthaltsqualität, Mobilitätszentrale etc.. Wenn Investitionen vom Bund über die Länder mit Zustimmung der Kommunen an die Bahnhöfe gefördert werden sollten, müsste es auch Mitbestimmungsmöglichekeiten über das Profil eines Bahnhofs und seiner nicht mehr benötigten Grundstücke geben. Mehdorn will nur Geld und keine Einmischung. So wird es nichts!
Was vor allem fehlt ist ein Ansprechpartner vor Ort an den Bahnhöfen. Mit einem Fahrkartenautomat kann man sich nicht unterhalten. Ältere und nicht nur die stehen vor den Automaten und fragen sich wie bekomme ich meine Fahrkarte oder des öfteren akzeptiert der Automat die Münzen oder Geldscheine nicht oder der Automat ist beschädigt. Im Zug kann man sehr oft keine Fahrkarte lösen, weil der Schaffner dafür eingespart worden ist. Viele Bahnhöfe sind stark verschmutzt weil nicht mehr besetzt. Ein Bahnhof ist doch die Visitenkarte der Bahn.Früher war jeder Bahnhof und war er noch so klein mit Personal besetzt, man konnte seinen Koffer aufgeben, heute nicht mehr möglich, es fehlt an Serviceleistungen.Aber es muss ja gespart werden damit man recht schnell an die Börse gehen kann.
Ein gepflegter und einladender Bahnhof einschließlich seines Umfeldes bestimmt in der Regel wohl als erstes die Kundenzufriedenheit und das nicht unbedeutende Gefühl, als FahrGAST erwünscht und willkommen zu sein. Zu den basalen Serviceleistungen gehört auch, dass die Bauwerke auch begehbar, und z. B. Schutz vor Wind und Wetter bieten. BEHEIZTE Warteräume sollten zu den Basics gehören -früher in jedem, selbst kleinen Bahnhöfen eine im wahrsten Sinne des Wortes wohltuende Selbstverständlichkeit. An Endbahnhöfen wäre vermutlich auch das Lokpersonal und die Zugbegleiter für gepflegte und leicht zu erreichende Übernachtungsmöglichkeiten in vorhandenen, vormals anderweitig genutzten Bahnhofsbereichen sehr dankbar. Summa summarum: Bahnkunden (vielleicht sogar Bahnbedienstete) schätzen die Bahn besonders dann, wenn man signalisiert bekommt, dass man DER Dreh-und Angelpunkt des Geschehens ist; im Bahnhof Hochdorf (Horb) oder Cuxhaven genauso wie in Berlin Hauptbahnhof. Es kann nicht sein, dass ehemals gepflegte Anlaufstellen in kürzester Zeit zu vergammelnden Ruinen verkommen, während in der Bahnzentrale der pure Luxus zur Schau getragen wird. Diese Diskrepanzen bleiben keinem verborgen und sind schwer verdaulich.
Zum Bahnhof der Zukunft sollten gehören: * ein warmer, wind- und regengeschützten Wartesaal * Sitzplätze auch am Gleis mit Wind- und Regenschutz * aktuelle, an gut zugängliche Fahrpläne, Gleisangaben und Wagenanzeiger * ausgebildetes, freundliches Personal vor Ort für Ansagen und Rückfragen * ein Fahrkartenschalter mit persönlicher Beratung * eine perfekte Anbindung des Bahnhofs an den öffentlichen Nahverkehr * eine ausreichende Anzahl an für alle geeigneten Parkplätzen * eine ausreichende Anzahl gut angelegter und überdacher Fahrradständer * Taxi-Ruf aus dem Zug, Car-Sharing-Stellplätze, Taxistellplätze * Restaurant und/oder Bahnhofscafé * Kiosk für guten Reiseproviant und Zeitungsverkauf * Gepäckaufbewahrung * Internetzugang * Infoflächen für TouristInnen * eine Karte mit Angaben zum Bahnhof * ein Kummerkasten * begrünte, unversiegelte Außenflächen * regenerative Energiequellen für Eigen- und Fremdverbrauch, z.B. durch Solaranlagen auf den Dächern * eine nachhaltige Bauweise oder insgesamt nachhaltig sanierte Gebäude * ein Gebäudemanagement unter Gesichtspunkten der Energie- und Umweltschonung * demokratische und lokal angebundene (Selbst-)Verwaltung des Bahnhofs * planmäßige Vielfachnutzung der Räume und Flächen * regelmäßige Veranstaltungen im Bahnhof * Bahnhof als Treffpunkt gesellschaftlicher Gruppen * Vernetzung der Bahnhofsmission mit lokalen sozialen Diensten * regelmäßige (Wander-)Ausstellungen * Infostände und Präsentationsflächen für gemeinnützige Gruppen * Bahnhofspatenschaften
Und ab welchem Reisendenaufkommen soll dieses Paket deiner Meinung nach voll eingesetzt werden?
Mein idealer Bahnhof ist bestens an ein gut funktionierendes örtliches Verkehrsnetz angebunden. Höhenunterschiede werden auf Rampen überwunden. Aufzüge und Rolltreppen gibt es nur dort, wo Rampen aus technischen oder Platzgründen nicht möglich oder sinnvoll sind. Alle Einrichtungen sind bequem mit Kinderwagen und Rollstühlen zu erreichen! Beim Betreten der gepflegten, übersichtlich und freundlich gestalteten Empfangshalle treffe ich nur auf die für eine Reise bedeutsamen Einrichtungen wie: die gut zu lesenden Fahrplantafeln, Fahrkartenschalter und Hinweisschilder zu den Bahnsteigen, zu den Toiletten, zur Bahnhofsmission und zum gepflegten, freundlich gestalteten Wartesaal. Es gibt getrennte Auskunftsschalter für einen ausführlichen Beratungsbedarf und genügend Schalter, an denen ich zügig eine Fahrkarte erhalte. Eine gut sortierte Buchhandlung, ein Mini-Supermarkt, ein Reisebüro, ein gutes Restaurant/Café und evtl. ein Raum für z.B. Kleinkunstveranstaltungen o.ä. ergänzen ringsherum das Angebot. Fahrkartenautomaten, Werbetafeln, lärmende Fernsehmonitoren, Hintergrundmusik, Imbissbuden (Gestank), Billigsshops (Billig-Laden-Ketten) belästigende Werbeveranstaltungen von Telekommunikationsfirmen usw. sind für alle Zeiten vom Bahnhofsgelände verbannt.
Zu Rückfrage: Ja, ab welchem Reisendenaufkommen..? Für welches Reisendenaufkommen werden Flughäfen geplant und gebaut? Aktuell z.B. der neue Flughafen Berlin-Schönefeld? Für ein zukünftiges, bezogen auf das aktuelle stark gestiegenes Reiseaufkommen. Will heißen: Attraktive Bahnhöfe schaffen sich ein eigenes Aufkommen. Verfallene Bahnhöfe treiben die Menschen zum Auto. Ein gutes beispiel hierfür ist die Taktdichte: Eine Ausdünnung der Takte mit der Begründung einer geringen Zahl an Reisenden führt zu einer noch geringeren Zahl. Mit der wird eine weitere Ausdünnung begründet.. In Fällen, wo die Taktdichte von halbstündlich auf unter 10-Minuten-Takte erhöht wurde, hat sich die Anzahl der Reisenden weit überproportional erhöht, d. h mehr als verdreifacht. Wir müssen uns fragen, in welche Richtung wir die Schraube drehen wollen. Angesichts von Ölpreis und Klimawandel gibt es für mich dazu nur eine Antwort.
Ab welchem Reisendenaufkommen soll es Service geben? Dr. Winfried Wolf hat dazu kürzlich geschrieben:
Im übrigen geht es doch nicht allein um die Funktion Kartenverkauf. Es geht um öffentliche Präsenz. Ein Autoverkäufer stellt auch Leute in seinen Showroom, wenn wenig Betrieb ist. Und der Wirt eines Gasthauses verpflichtet sein Personal gerade dann, wenn er keine Gäste hat, sich an den Eingang zu stellen und Präsenz zu zeigen.
Wenn die Bahn diese Präsenz in personeller Hinsicht zeigt, dann wirbt sie mit Menschen für sich und wirbt andere Menschen, sprich Fahrgäste. Dann bietet sie auch Schutz und Vetrtrauen. Dann bgegnet sie dadurch Vandalismus und der - oft berechtigten - Angst vieler Menscher, vor allem alter Leute und Frauen, sich zu abendlichen usw. Stunden in Bahnhöfe, auf Bahnsteige etc. zu gegeben.
Anders herum: Ist die Bahn da personell nicht präsent, dann entstehen ihr andere Kosten und Verluste immaterieller Art - durch Vandalismus, wegen zerstörter Anlagen im Gleisbereich, durch Jugendliche, die mutwillig die Gleise queren, wegen anzustellender Sicherheitsdienste - die die Kosten des Servicepersonals übersteigen.
Heutzutage fahren Züge regelmäßig, dadurch sind längere Wartezeiten ausgeschlossen. Automaten und Internet haben längst den Schalter ersetzt. Deshalb werden Bahnhöfe jetzt nicht mehr benötigt und wurden und werden durch Haltepunkte abgelöst.
In der Folge wird die DB-Tochter Station & Service in Thüringen nur noch zwölf Bahnhöfe bewirtschaften.
Das sagt Jörg Bönisch von der DB in Thüringen-Sachsen; auch, wenn er es nicht selbst hier reinschreibt...
Mann könnte in der Bewirtschaftung der Gebäude gleich zwei Fliegen mit einer Klatsche schlagen. Öffnet man die Empfangsgebäude und lässt sie nicht nach DB-(AG) Art verkommen, so könnte man wie in der Schweiz die Bhf mit einem Schalter besetzen und einem Warteraum. Warum hat man im 19. Jahrhundert denn wohl Bhf´e gebaut? Wohl nicht damit ein Börsenguru namens Hartmut Mehdorn diese dann veranlasst zu schließen, während die Fahrgäste bei Wind und Wetter sinnlos auf dem Bahnsteig rumgammeln müssen, wenn mal wieder der Zug zu spät ist. Besetzt man die Bahnhöfe mit Personal (Aufsicht, Schalter) so hat man auch dem Arbeitsmarkt geholfen und Hartz IV Empfänger wieder aus dem Elend herausgeholfen. Dazu müsste man aber die DB wiederverstaatlichen damit nicht billige und hochnäsige Privatbahnen wieder zu Dumpinglöhnen und Preisen sich in Netze schmarozen die die DB dann sanieren kann wie das Beispiel Odenwaldbahn zu sehen ist, dort saniert die DB die Strecke während sich die Heuschrecke VIAS die Loorbeeren einhamstern will - geht es noch skrupelloser?
Wieder mal so ein Ding, wo man sehr geteilter Meinung sein kann. Als die Empfangsgebäude seinerzeit gebaut wurden, war die Eisenbahn ohne Alternative. Und jeder Ort wollte einen Bahnhof haben. Nun, die Zeiten haben sich geändert. Die meisten Leute fahren mit dem Auto, und vielen Orten geht es nicht schnell genug, alle Erinnerungen an die Bahn rauszureißen/ loszuwerden. Nähern wir uns der Frage doch mal von der Kosten-Nutzen-Seite. Nicht zu bestreiten ist der Erhaltungsaufwand für die mancherorts einfach riesigen Gebäude, die in der Form nicht mehr gebraucht werden. Gretchenfrage an "den Steuerzahler": sind Sie bereit, das aus denkmalschutz- oder was weiß ich für Gründen zu alimentieren? Prognose: > 75% - "nee, wozu das denn?!" Gretchenfrage an "die Reisenden": sind Sie bereit, mehr Bahn zu fahren, wenn dafür "der Bahnhof" an Ihrem Heimatort erhalten bleibt? Prognose: > 75% - "nee, was hat'n das damit zu tun?" Diese beiden Antworten beschreiben gleichzeitig auch den Nutzen für die Mehrheit. Ausblicke auf die Zukunft helfen da kaum weiter. Anders sieht das tatsächlich nur aus, wenn Kommune oder örtliche Unternehmen sich hier engagieren wollen, weil sie einen Nutzen für sich erblicken. Allerdings wäre "die Bahn" gut beraten, sich hieran zu beteiligen, um z. B. menschenwürdige Wartemöglichkeiten von genügender Kapazität zur Verfügung zu stellen. Es sei denn, sie ist eben gerade darauf aus, noch ein paar Kunden zu vergrätzen, um die Strecke ganz dicht gemacht zu kriegen...
Ganz was Neues: Der dicke Beck aus Mainz will in seiner SPD jetzt für die Bahnprivatisierung werben, weil dadurch 12 Milliarden Euro in die Bundes- oder DB-Kassen kämen, um Gleise, Züge und Bahnhöfe zu modernisieren.
Richtig gelesen, Bahnhöfe. Die DB privatisiert sich selbst, fährt Sparkurs, spart Investitionen, macht aus Bahnhöfen Haltepunkte oder Pissoirs, nimmmt dann ein paar Milliarden ein und macht damit die Bahnhöfe wieder schön.
Wers glaubt, wird selig!
Seit wann vergleicht sich die DB mit einer Strassenbahn? Neue Perspektive für das Zugbegleitpersonal? Nur noch Lokführer, kein Zugbegleitpersonal mehr?, Fahrkarten in einem klar gegliederten System an Automaten im Zug zu erhalten? Ausserdem an Haltestationen mit einer Fahrgastfrequenz pro haltendem Fahrzeug wie bei Strassenbahnen hat auch die DB nur noch überdachte Wartehäuschen. Andererseits sind Bahnhöfe mit Umsteigeverbindungen, mit IC+ ICE -Halten teilweise in erbärmlichem Zustand, z.B Wuppertal. Es scheint auch hier das Konzept der Bahn zu sein, das alles was die Eigenkapitalrendite erhöht und dem Börsengang nützt ,erlaubt ist. Und es fehlt ein Selbstverständnis und eine entsprechende Unternehmensstrategie welche Bahnhöfe/Haltepunkte für welche Erfordernisse ausgerichtet werden müssen. Wenn es geschafft ist, die Bahnprivatisierung zu verhindern, kann es vielleicht gelingen Maßnahmen durchzusetzen, die aus der DB ein attraktives Verkehrsunternehmen mit attraktiven Haltestationen machen, das eine echte Alternative zum ÖPNV darstellt. Bis dahin ....?
Hey Jim, stimmt, so habe ich es noch gar nicht gesehen:
Wenn die Züge im Zehn-Minuten-Takt fahren, ich auch mit dem Kinderwagen gut rein komme, wenn die Netzkarte auch monatsweise und zu anständigen Preisen zu haben ist, wenn es mehr um Vernetzung als um hohe Geschwindigkeit geht - dann verzichte ich im Gegenzug gerne auf die Bahnhofsgebäude!
hans am 24.02.08 1.40 Seit 20 Jahren wird der S-Bahnausbau versprochen, er "soll jetzt" 2010 kommen. Obwohl durch die schnelle Verbindung nach Nürnberg dieser gar nicht notwendig wäre. Lärmschutzwände wurde vor 1 Jahr begonnen, heute noch nicht fertig und mit 1,50 m zu niedrig. Die Bahnsteige müssen erhöht werden für Behinderte und Kinderwagen und ein Aufzug zum Gleis nach Nürnberg. Alles versprochen, nichts gehalten. Der Bahnhof könnte auch als Kiosk , Poststelle, Fahrkartenservice, wenn die Automaten streiken z. B. Verwendung finden und im 1. Stock Räume für ein Internetcafe eingerichtet werden. Der Bahnhof wurde der Gemeinde angeboten, aber da sitzen nicht die richtigen Leute. Gruss Hans
Aus dem Mehdorn zitat spricht die Arroganz des Dienstwagenbenutzers der seinen Hintern wohltemperiert von A nach B geschaukelt bekommt. Er kann sich ja mal, alternativ, morgens um 6:00 bei 3°C, Regen und NW-Wind Stärke 5 an das Gleis seines Zuges stellen und auf den Zug warten, der "wegen Verzögerungen im Betriebsablauf voraussichtlich 20 Minuten später eintreffen wird." Wenn er noch nicht total verblödet ist, wird er sich vielleicht im tiefsten seiner Seele vorstellen können, wozu Gebäude da sein können. Gute Besserung wünscht
Bretter vor den Fenstern? Ist das das Bild welches jeder Reisende erfahren soll von Deutschland, der nicht von hier stammt?
Na, mal ehrlich, werden die Bahnhofsgebäude aus dem 19.Jahrhundert, als vielleicht 3 bis 4 Züge pro Tag und Richtung fuhren und der Reisende mehr warten als fahren durfte, wirklich noch benötigt. Wenn die Bahnhöfe im Zentrum einer Ortschaft liegen, stark frequentiert werden und nicht nur im Zusammenhang mit einer Reise aufgesucht werden,können sie wirtschaftlich verwertet werden. Aber das ist dann nicht mehr das bahneigene Kerngeschäft.Wenn der Besucher des Bahnhofes lediglich den Zug nutzen will, dann beschränkt sich sein Aufenthalt auf wenige Minuten, in denen er bestenfalls noch seine Zeitung als Reiselektüre haben will, soweit er sich die nicht auch schon mitbringt.Nein Bahnhofsgebäude im ursprünglichen Sinne und mit den traditionellen Funktionen ( Fka,Gepa,Güterboden,Wartehalle, Gaststätte,Diensträume und Büros)werden überwiegend nicht mehr benötigt. Auch Service muss Sinn machen und darf nicht kostenintensiver Selbstzweck sein.
Aber hallo! Was ist mit meinen 20 Minuten Wartezeit zwischen Busankunft und Zugabfahrt? (Und umgekehrt.) Und Service: Es geht nicht um Selbstzweck. Sondern z.B. um Fahrkartenverkauf, Reiseberatung, wie oben schon beschrieben wurde. Wirtschaftliche Verwertung ja, aber in Einklang mit Bahnbedürfnissen! Und nicht leer stehen lassen bis das Gebäude Abrissreif ist.
Ja,klar, 20 und mehr Min warten ist natürlich kein optimal abgestimmter Fahrplan, aber ist hier nicht der kommunale Bus oder die Verwaltung/örtliche Behörde ebenso gefordert, wenn sie den Verkehr subventioniert? Und Fahrkartenverkauf und Reiseberatung muss natürlich sein, wenn der Bedarf oder wenigstens ein Potential zur Beratung da ist. Aber das Vorhalten von Kapazitäten für das Warten auf eine evtl. anfallende Beratung oder den Fahrkartenverkauf kann ja wohl kein Unternehmen durchstehen. Meine Meinung bezieht sich auf Bahnhofsgebäude mit einem Einzugsbereich für ein Reisendenpotential von 20000 bis 30000 von denen in der Regel höchstens 1% den Zug am Tag nutzen, und das zu über 80 Prozent mit Zeitkarten in stabilen und zeitlich eng liegenden Relationen. Wozu braucht man da wirklich ein traditionelles Bahnhofsgebäude? Wenn keine wirtschaftliche Verwertung eines Gebäudes möglich ist- und bei ausserhalb der Ortskerne liegenden Bahnhofs- und anderen Gebäuden ist das ein Problem- was soll dann damit passieren? Verfall oder Abriss sind m. E. die einzigen Perspektiven. Zwanghaft lässt sich da m.M. nichts machen und jedes Bahnhofsgebäude zum Denkmal erklären, kann`s ja auch nicht sein. Also, was tun?
Hallo Franz, du fragst, was tun - ich bin dafür, dass die DB AG (als öffentliches Unternehmen ohne Gewinninteresse!) mit den Kommunen zusammen ein Konzept für Bahnhöfe samt Gebäude entwickelt. Manche Wartezeiten sind unvermeidlich, so lange unverbesserlich viele Autos unterwegs sind. In Zusammenarbeit können Kommunen und Bahn entscheiden, welche Angebote am Bahnhof sinnvoll sind. Heute ist es ja so, dass es der Zugbegleiterin und der Fahrdienstleitung egal ist, ob durch ein paar Minuten Zugverspätung ein Bus erreicht verpasst wird und der nächste erst in einer Stunde fährt. Kooperation könnte da helfen.
Wenn die Bahn aber ihre Gebäude zum Bilanz-soll-schöner-werden-Preis an eine dubiose Finanzgesellschaft verkloppt, dann kann diese Kooperation nicht mehr stattfinden; die Kommunen sind dann bestenfalls noch Zahlmeister für die Gewinne der Käufer.
Ich würde ja so gerne an deinen Traum glauben,alexa, aber die Wirklichkeit ist nun mal eine andere. Alles was du schreibst und viele andere auch, wäre ja vielleicht einklag- und durchsetzbar , wenn die Bahn eine Behördenbahn geblieben wäre, und Abgeordnete oder Kommunalfürsten ihr Hobby oder ihre Lobby mit Steuergeld bedienen könnten. Aber wer soll heute Kommunen -also Staat - mit Unternehmen, die eben in jedem Fall Gewinniteressen als Motivation ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten haben, an einen Tisch bringen und dabei allein öffentliche oder Allgemeininteressen -wie du sie beschreibst und forderst- durchsetzen ? Das schafft doch nur das liebe Geld, das dann still an diesem Tisch mitsitzt und wieder ausschliesslich Steuergeld ist. Aber welche Kommune hat das Geld oder setzt es für deine Ideen ein? Auch Kooperation kostet Geld und keiner wird sich dabei rote Zahlen andrehen oder ankooperieren lassen. Im übrigen scheint es ja nicht so zu sein, dass die Bahn ihre Empfangsgebäude bei den Finanzhaien reissend los wird, sie verfallen ja gerade deshalb , weil sie auf dem Immobilienmarkt häufig Ladenhüter sind, die keiner so recht verwerten kann , obwohl sie oft für den symbolischen Euro zu haben sind.
Aber Franz - aufwachen! Die DB AG ist kein Privatunternehmen. Sie gehört der öffentlichen Hand. Sie muss tun, was ihr Eigentümer - der Bund - sagt. Wenn er es sagen würde...
Das hat mit Behördenbahn nix zu tun. Wenn DB AG und Kommunen zusammen kommen, ist eigentlich kein Unternehmen mit Gewinninteresse dabei. Die DB könnte die Bahnhöfe zu symbolischen Preisen überlassen oder auch behalten. Jetzt verlangt sie von den Kommunen Horrorpreise - wie ein gewinnorientiertes Unternehmen. Das sie nicht ist. Kuriose Sache. Deshalb muss Mehdorn weg!
http://www.attac.de/mehdorn-weg
Also, Alexa, was ist denn 1994 mit dem Willen der obersten Volksvertreter passiert? Die Deutsche Bundesbahn und die Deutsche Reichsbahn wurden privatisiert sind also seitdem quasi Privatunternehmen, auch wenn der Bund ja z.Z. noch für das Nachfolgeunternehmen DBAG Alleineigetümer ist.Viele TEile der beiden ehemaligen Behördenbahnen sind allerdings schon längst ausgegliedert/verkauft und richtige Privatunternehmen, für die der Bund absolut keine Verantwortung mehr wahrnimmt oder hat.Unsere diskutierten Empgfangsgebäude sind ja gerade ein Beispiel für diesen Prozess. Und der Grund dieser Privatisierung von 1994 war doch eindeutig, dass der Bund keine Steuergelder mehr in seine Bahnbehörde geben wollte, sie sollte so schnell wie möglich auf eigenen finanziellen Füssen stehen.Deshalb ist doch jetzt nicht zu erwarten , dass der Bund wieder Geld ins Bahngeschäft steckt, ob der Bahnchef nun Mehdorn oder Meier heisst. Das was bisher mit der Bahn geschehen ist, ist der Wille des Eigentümmers, den der jeweilige Bahnchef umzusetzen hat.Es war in der Vergangenheit doch eher so, dass die geschassten Bahnchefs seit 1994 den Willen des Eigentümmers im Sinne der Privatisierung und in Richtung Börsengang nicht zügig oder konsequent genug umgesetzt hatten und deshalb gehen mussten. Die Geduld des Eigentümers mit Mehdorn wird in der Tat bald ausgereizt sein und er wird gehen müssen, damit ein noch fanatischerer Privatisierer das Ruder übernehmen kann.
Mag sein, dass Du die Absicht des Eigentümers Bund richtig beschreibst. Aber Fakt ist:
* Die 1994 schuldenfreie DB AG hat wieder etwa 20 Milliarden Euro Schulden.
* Der Bund zahlt jährlich mehr als 10 Millionen Euro für Schienenverkehr.
* ...und er lässt sich von seiner eigenen DB AG vorführen.
Ich finde, am Bahnhofsverkauf wird der Unsinn der Privatisierung deutlich. Dadurch sind schon viele Kommunalpolitiker aufgeschreckt, die schlagen Alarm bei Landtags- und Bundestagspolitikern - und es kommt vielleicht was ins Rollen!
Hat eigentlich sonst noch jemand eine Meinung dazu? Sonst treffe ich mich mit Franz mal ganz privat in K oder HH...
Man braucht nur nach Wendlingen am Neckar schauen, was aus einem alten Bahnhof tolles werden kann: Wirtschaft mit Flair & Terasse, Vereinsräume, Zeitschriftenhandel und ich weis gerade nichmal mehr alles. Dabei War das Gebäude schon sehr mitgenommen, bis sich jemand des Potential des Gebäudes angenommen hat.
An H-M (12.02.2008): „Als die Empfangsgebäude seinerzeit gebaut wurden, war die Eisenbahn ohne Alternative.“ Ich will nicht schwarz malen, aber etwas ganz Ähnliches steht wieder bevor: Die Bahn als der einzige bezahlbare und klimaschonende Verkehrsträger. Heute kostet das barrel schon mal 100 Dollar. Morgen 200, übermorgen 500. Dazu kommen die steigenden CO2-Emissionen, bei denen der Verkehr schon heute 20% ausmacht. Der Anteil der Bahn an diesem Teilanteil liegt bei 2 %. Der Individualverkehr per Auto (und Lkw) kann schlicht nicht als das Verkehrssystem der Zukunft bezeichnet werden. „Sind Sie bereit, das aus Denkmalschutz- oder was weiß ich für Gründen [den Bahnhof] zu alimentieren?“ Ich fürchte, hinter „was weiss ich“ verbirgt sich mangelnde Vorstellungsktraft, wofür man ein gutes Gebäude in zentraler Lage gebrauchen kann. Gerade Bauten aus der Gründerzeit weisen eine Bauwerksqualität auf, die man heute mit der Lupe suchen kann. Wenn nicht das ganze Bahnhofsgebäude ausgelastet werden kann, finden sich leicht weitere Nutzer. Die allermeisten Bahnhöfe aber werden gebraucht und könnten lässig ausgelastet werden - heute schon. „Sind Sie bereit, mehr Bahn zu fahren, wenn dafür "der Bahnhof" an Ihrem Heimatort erhalten bleibt?“ Frage falsch gestellt. Sie müsste lauten: Würden Sie mehr Bahn fahren (oder ganz auf ihr Auto verzichten), wenn bahnfahren bequem und gleich schnell wie das Auto wäre (und nicht zugig, verdreckt und mit langen, unbequem verbrachten Wartezeiten verbunden).
An Carl Waßmuth (06.03.08): Die Eisenbahn wieder ohne Alternative... manchmal erwisch ich mich auch bei dem Traum. Doch selbst wenn, die Technik ist fortgeschritten - man muss am Ort nicht mehr x Leute für alles Mögliche unterbringen (Weichenwärter, Fahrladeschaffner, und was es nicht alles gab - ich hab irgendwann mal unserem Wissenschaftsminister einen Brief geschrieben, u. a. des Inhalts, dass sich die öffentliche Hand nicht über die Industrie beschweren darf, was den Abbau von Arbeitsplätzen angeht). Die Größe manches Empfangsgebäudes und seiner Nebengebäude steht einfach in keinem Verhältnis mehr zur verkehrlichen Bedeutung des Bahnhofes (man denke z. B. mal an Bebra). Sehr richtig, Kommunen und lokale Unternehmen müssten sich mit einbringen, aber ich fürchte, das werden weder Sie noch ich erzwingen, und nicht alle Bahnhöfe liegen "zentral". Was die Ansichten der Normalbürger/innen angeht, sollten wir uns lieber keinen Illusionen hingeben. Beim Autofahren spielen subjektive Gesichtspunkte mit ("Flexibilität/ Selbstbestimmtheit") - da kommt die Bahn/ der ÖPNV niemals dran (außer in Ballungsgebieten mit kurzen Takten). Es sei denn, es gibt wirklich keine Alternative, aber das kommt imho nicht wieder... P.S.: Hätt nix gegen eine bessere Bahn - nutze täglich den ÖPNV als Berufspendler!
An Carl Waßmuth: Ja,bei den Bedingungen wird sich ein Bahnhofsgebäude immer gut gebrauchen und vermarkten lassen: -gutes Gebäude -zentrale Lage -Bauwerksqualität, die man mit der Lupe suchen muss -lässige Auslastung und Bedarf Aber die Gretchenfrage ist,erfüllen die Bahnhofsgebäude diese Bedingungen?Die allermeisten sicher nicht.Bahnhöfe wurden in der Gründerzeit häufig ins Niemannsland oder inandlagen von Orten gesetzt,damit sie für eine Region aus mehreren Orten zentral zu erreichen waren. Und in dieser Lage sind die Bahnhöfe auch heute noch oft, besonders in ländlich Räumen. Wer nutzt ein Gebäude,welches am Stadtrand oder einsam im Wald oder im Feld liegt, bestenfalls noch umgeben von leerstehenden Bahnwohngebäuden? Es gibt eben nicht nur Bahnhofsgebäude in Hamburg Hbf, Leipzig Hbf , Garmisch oder Wendlingen, sondern auch z.B. in Seddin ,Löwenberg, Zossen, Dormagen, oder Hagenow, oder Neudietendorf oder ... . Da sind wirklich Ideen und grosse Vorstellungskraft gefragt.Vorrang muss in jedem Fall haben,das Streckennetz zu erhalten und dem Kunden einen attraktiven und ansprechenden Fahrplan anzubieten. Bahnhofsgebäude sind dort wo sie gebraucht werden zwar wichtig, gehören heute aber nicht mehr zwingend zu diesem Angebot. Dort,wo es Sinn macht ja, aber bei den überwiegendenm Zugangsstellen zum Bahnnetz reicht eine andere bescheidenere aber keineswegs abwertende Lösung.
Zugluft im Bahnhof bitte nur auf den Gleisen! Ich möchte die angenehmen Holzbänke wieder haben.
Was bei unserem Bahnhof fehlt ist ganz klar eine Anzeigetafel, worauf z.B. die Verspätungen steht. So ein einfacher TFT mit einem MiniPC dahinter ist doch kein Problem. Und wie bereits von manchen erwähnt: Holzbänke. Im Winter einfach ein Muss!
So ein "einfacher TFT mit einem MiniPC dahinter" kostet in der Anschaffung in der Größenordnung etwa fünf- bis zehntausend Euro, den Unterhalt nicht eingerechnet.
Die Kisten müssen eine weit höhere Leuchtkraft haben als ein konventioneller Monitor, einen größeren Sichtwinkel haben, müssen vandalismusresistent sein, sowohl mit großer Hitze, direkter Sonneneinstrahlung und Kälte klarkommen, sie müssen angebunden werden.
Wenn es immer so einfach gehen würde...
Viele Grüße
Peter
Heute in der Oberhessischen Presse: Die Stadt Kirchhain (Landkreis Marburg-Biedenkopf) will nun doch "ihren" Bahnhof kaufen, weil sie festgestellt hat, dass mit dem Gebäude reichlich Flächen verkauft wurden. Für insgesamt 80.000 Euro. Da kann die Stadt auch einsteigen.
Bisher wollte die Stadt nicht kaufen, denn ihr wurde ein Wertgutachten vorgelegt, dass der Bahnhof 550.000 Euro koste.
Wollte nun die DB AG die Stadt Kirchhain abschrecken oder hat sie den Bahnhof unter Wert verkauft?
Vielen Dank für alle Beiträge! Diese Diskussion ist nun geschlossen.











Franz am 29.01.2008 14:34
...wo sonst soll man die Wartezeiten zubringen...?